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20-09-2006


DIE VETERINÄRMEDIZINISCHE FAKULTÄT, BUDAPEST, UNGARN

Kurzer historischer Überblick

Die Veterinärmedizinische Fakultät in Budapest, die einzige Einrichtung ihrer Art in Ungarn, feierte 1987 das 200-jährige Bestehen der tierärztlichen Ausbildung im Lande. Bereits einige Jahre nach der Errichtung der ersten Veterinärschule in Lyon (1762) wurde im Jahre 1787 an der Pester Medizinischen Fakultät ein "Lehrstuhl für Tierarzneikunde" gegründet, um Studierenden der Medizin und Chirurgie grundlegende Kenntnisse über Tierheilkunde zu vermitteln. Angespornt durch die rasche Entwicklung der Tierzucht und den dadurch erhöhten Bedarf an Fachleuten in der Tiermedizin wurde die ursprüngliche Lehrkanzel im Jahre 1851 als "Königliches Ungarisches Tierarzneiinstitut" von der Medizinischen Fakultät getrennt und zu einer selbständigen Ausbildungsstätte für Tiermediziner entwickelt. Diese Einrichtung wurde 1899 in den Rang einer Hochschule erhoben, der 1906 das Promotionsrecht zum "Doctor medicinae veterinariae" verliehen wurde. Die wissenschaftlichen Beiträge ihrer Lehrer sicherten dieser Institution internationale Anerkennung. 

Nach dem II. Weltkrieg war die Schule zunächst eine Fakultät der neugegründeten Agrarwissenschaftlichen Universität. Im Jahre 1952 wurde sie zu einer unabhängigen Hochschule, die 1962 als Anerkennung ihrer Rolle in der ungarischen Landwirtschaft in "Veterinärmedizinische Universität" umbenannt wurde. Im Rahmen der landesweiten Umstrukturierung der Hochschulen heisst die Ausbildungsstätte ab dem 1. Januar 2000 "Veterinärmedizinische Fakultät Budapest" der neu gegründeten Szent István Universität. Im Bericht des EAEVE (European Association of Establishments for Veterinary Education) vom Jahre 1995 wird über die Veterinärmedizinische Universität zusammenfassend festgestellt, daß die Budapester Universität "unter ihren Europäischen Schwesterinstituten eine stolze Position für sich beanspruchen kann. Die jungen Absolventen haben den Wettbewerb ihrer europäischen Kollegen auf Grund ihres Wissens und praktischen Fähigkeiten nicht zu fürchten".

Das Fakultätsgelände

Mit steigender Bedeutung der Tierärzteausbildung wurde der Tierarzneischule 1879 ein Gelände am damaligen Ostrand der Stadt zugewiesen. Die für die einzelnen Lehrstühle und Kliniken im gleichen Stil errichteten Backsteingebäude wurden im Jahre 1881 bezogen und später, entsprechend dem Bedarf an zusätzlichen Räumen, aufgestockt. Das Fakultätsgelände wurde in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts von der sich rasch ausdehnenden Hauptstadt umgeben. Es befindet sich am Ostbahnhof, heute in der Mitte eines dicht bewohnten Stadtviertels und ist durch mehrere öffentliche Verkehrsmittel mühelos zu erreichen. Die Aussenstelle der Fakultät liegt ca. 10km vom Stadtrand entfernt, in Üllõ. Sie umfast ein Versuchsinstitut für Biotechnologie, eine lebendige Genbank zur Erhaltung alter ungarischer Rassen von landwirtschaftlichen Nutztieren, Pferdeställe mit Reitschule und -platz, sowie die im Sommer 2001 eröffnete Grosstierklinik. Die mit modernster Technologie ausgerüstete Einrichtung dient neben der täglichen Routinearbeit zur klinischen Ausbildung unserer Studenten.

Die unter Denkmalschutz stehenden alten Gebäude wurden innen modernisiert und an der Ostseite des Geländes neue Gebäude errichtet. Alle Hörsäle wurden mit modernen audiovisuellen Einrichtungen ausgestattet. Die Universität entwickelte sich auf Grund der Laboratorien für Röntgen-, Isotopen-, EKG-, CT-, biochemische, elektronenmikroskopische und weitere Untersuchungen zu einem Forschungszentrum der Veterinärwissenschaft und Biotechnologie. Forschung und Lehre werden durch eine modern ausgestattete Bibliothek unterstützt. Hier sind unzählige, zum Studium und zur Forschung benötigte, fremdsprachige Bücher und Zeitschriften, sowie die größten Computerprogramme des Fachgebietes (z. B. DIALOG, DIMDI, Medline, CAB, VETCD) bzw. e-mail und Internet zugänglich.

Studienablauf

Die reguläre Studienzeit beträgt 5 Jahre (10 Semester), von denen der vorklinische Abschnitt auch in deutscher Sprache angeboten wird. Das gesamte Studium beinhaltet etwa 5000 Stunden Vorlesungen bzw. Praktika. Der Lehrplan beinhaltet auch außerhalb der Vorlesungszeit praktische Arbeit in Instituten, Kliniken und landwirtschaftlichen Großbetrieben bzw. in der Praxis eines Tierarztes - d. h. in Institutionen, die sich vertraglich zur Beteiligung an der Ausbildung verpflichteten und von den zuständigen Behörden als Ausbildungsstätte für werdende Tierärzte anerkannt worden sind. Die Tierproduktionsanlagen der landwirtschaftlichen Großbetriebe, sowie die Tierkliniken der Universität und der Komitats-Veterinärstationen bieten für die Studenten eine einzigartige Möglichkeit zum selbständigen Arbeiten an Tieren.

Das Wintersemester beginnt jeweils in der ersten Septemberhälfte und dauert bis Mitte Dezember, das Sommersemester beginnt in der ersten Februarhälfte und endet ca. Mitte Mai. Die Prüfungen werden in der vorlesungsfreien Periode, d. h. nach dem Wintersemester bis Anfang Februar bzw. nach dem Sommersemester bis Anfang Juli abgelegt.

Bewertungsformen

  1. Unterschrift (aláírás) - Der Besuch der Pflichtveranstaltungen sowie die Leistung der Studenten (Testate) wird durch die Unterschrift des Kursleiters am Ende eines jeden Semesters bestätigt.
  2. Praktikumsnote (gyakorlati jegy) - Benotung erfolgt entweder nach der Fünfer- oder der Dreier-Skala.
  3. Kolloquium (kollokvium) - Prüfung des Lehrstoffes eines Semesters, Benotung mit 1-5.
  4. Rigorosum (szigorlat) - Abschlußprüfung in einem mehrsemestrigen Studienfach, Benotung auf Grund der Fünfer-Skala.

Prüfungsnoten

Fünfer-Skala

  • 5 (jeles) sehr gut
  • 4 (jó) gut
  • 3 (közepes) befriedigend
  • 2 (elégséges) ausreichend
  • 1 (elégtelen) nicht ausreichend

Dreier-Skala

  • kiválóan megfelelt - ausgezeichnet
  • megfelelt - bestanden
  • nem felelt meg - nicht bestanden

 

Deutschsprachiger Studiengang

An der Veterinärmedizinischen Fakultät in Budapest besteht seit September 1989 ein Studiengang in deutscher Sprache, der auf die ersten vier Semester, d. h. auf den vorklinischen Studienabschnitt (Vorphysikum und Physikum) beschränkt ist. Im Einklang mit der jüngsten deutschen Tierärztlichen Approbationsordnung (TAppO) werden nach Abschluß der einzelnen Fächer den Studenten Bestätigungen über das jeweils abgeleistete Praktikum und Prüfung ausgestellt, die den in Deutschland üblichen Bestätigungen entsprechen. Das klinische Studium, das gemäß der gegenwärtigen Studienordnung weitere drei Jahre dauert, kann durch Absolventen der vorklinischen Studien in englischer oder ungarischer Sprache in Budapest fortgesetzt werden. (Die Fortsetzung des Studiums an einer Hochschule in Deutschland ist jederzeit möglich, wenn der Student dort einen Studienplatz erhält.) Nach bestandener tiermedizinischer Abschlußprüfung wird das Diplom und der Titel "dr. vet. med." verliehen. Damit sind alle fachlichen Voraussetzungen erfüllt, um die Approbation zum Tierarzt zu erlangen.

Außerhalb Ungarns ist die Anerkennung des in Budapest erworbenen Tierarztdiploms von den Bestimmungen des jeweiligen Landes abhängig. In Deutschland wird die ungarische tierärztliche Ausbildung unter der Bedingung als gleichwertig anerkannt, daß Absolventen der Veterinärmedizinischen Fakultät in Budapest zur Approbation in Deutschland in den sog. rechtsrelevanten Fächern (Arzneimittel-, Berufs-, Fleischhygiene-, Futtermittel-, Lebensmittel-, Milchhygiene-, Tierschutz-, Tierseuchen-, Tierzucht- und Strahlenschutzrecht) Ergänzungsprüfungen ablegen.

Für den deutschsprachigen Studiengang stehen pro Studienjahr rund 120 Studienplätze zur Verfügung. Im ungarischen Studiengang studieren durchschnittlich 100 Studenten pro Studienjahr. 1992 wurde der englischsprachige Studiengang eingeführt (derzeit studieren ca. 80 Studenten pro Studienjahr).