Kurzer historischer Überblick
Die Veterinärmedizinische Fakultät in Budapest,
die einzige Einrichtung ihrer Art in Ungarn, feierte 1987 das
200-jährige Bestehen der tierärztlichen Ausbildung im Lande.
Bereits einige Jahre nach der Errichtung der ersten Veterinärschule
in Lyon (1762) wurde im Jahre 1787 an der Pester Medizinischen
Fakultät ein "Lehrstuhl für Tierarzneikunde" gegründet,
um Studierenden der Medizin und Chirurgie grundlegende Kenntnisse über
Tierheilkunde zu vermitteln. Angespornt durch die rasche Entwicklung
der Tierzucht und den dadurch erhöhten Bedarf an Fachleuten in der
Tiermedizin wurde die ursprüngliche Lehrkanzel im Jahre 1851 als
"Königliches Ungarisches Tierarzneiinstitut" von der
Medizinischen Fakultät getrennt und zu einer selbständigen
Ausbildungsstätte für Tiermediziner entwickelt. Diese Einrichtung
wurde 1899 in den Rang einer Hochschule erhoben, der 1906 das
Promotionsrecht zum "Doctor medicinae veterinariae"
verliehen wurde. Die wissenschaftlichen Beiträge ihrer Lehrer
sicherten dieser Institution internationale Anerkennung.
Nach dem II. Weltkrieg war die Schule zunächst
eine Fakultät der neugegründeten Agrarwissenschaftlichen Universität.
Im Jahre 1952 wurde sie zu einer unabhängigen Hochschule, die 1962
als Anerkennung ihrer Rolle in der ungarischen Landwirtschaft in
"Veterinärmedizinische Universität" umbenannt wurde. Im
Rahmen der landesweiten Umstrukturierung der Hochschulen heisst die
Ausbildungsstätte ab dem 1. Januar 2000 "Veterinärmedizinische
Fakultät Budapest" der neu gegründeten Szent István
Universität. Im Bericht des EAEVE (European Association of
Establishments for Veterinary Education) vom Jahre 1995 wird über
die Veterinärmedizinische Universität zusammenfassend festgestellt,
daß die Budapester Universität "unter ihren Europäischen
Schwesterinstituten eine stolze Position für sich beanspruchen kann.
Die jungen Absolventen haben den Wettbewerb ihrer europäischen
Kollegen auf Grund ihres Wissens und praktischen Fähigkeiten nicht
zu fürchten".
Mit steigender Bedeutung der Tierärzteausbildung wurde der
Tierarzneischule 1879 ein Gelände am damaligen Ostrand der Stadt
zugewiesen. Die für die einzelnen Lehrstühle und Kliniken im
gleichen Stil errichteten Backsteingebäude wurden im Jahre 1881
bezogen und später, entsprechend dem Bedarf an zusätzlichen Räumen,
aufgestockt. Das Fakultätsgelände wurde in der ersten Hälfte
dieses Jahrhunderts von der sich rasch ausdehnenden Hauptstadt
umgeben. Es befindet sich am Ostbahnhof, heute in der Mitte eines
dicht bewohnten Stadtviertels und ist durch mehrere öffentliche
Verkehrsmittel mühelos zu erreichen. Die Aussenstelle der Fakultät
liegt ca. 10km vom Stadtrand entfernt, in Üllõ. Sie umfast ein
Versuchsinstitut für Biotechnologie, eine lebendige Genbank zur
Erhaltung alter ungarischer Rassen von landwirtschaftlichen
Nutztieren, Pferdeställe mit Reitschule und -platz, sowie die im
Sommer 2001 eröffnete Grosstierklinik. Die mit modernster
Technologie ausgerüstete Einrichtung dient neben der täglichen
Routinearbeit zur klinischen Ausbildung unserer Studenten.
Die unter Denkmalschutz stehenden alten Gebäude wurden innen
modernisiert und an der Ostseite des Geländes neue Gebäude
errichtet. Alle Hörsäle wurden mit modernen audiovisuellen
Einrichtungen ausgestattet. Die Universität entwickelte sich auf
Grund der Laboratorien für Röntgen-, Isotopen-, EKG-, CT-,
biochemische, elektronenmikroskopische und weitere Untersuchungen zu
einem Forschungszentrum der Veterinärwissenschaft und
Biotechnologie. Forschung und Lehre werden durch eine modern
ausgestattete Bibliothek unterstützt. Hier sind unzählige, zum
Studium und zur Forschung benötigte, fremdsprachige Bücher und
Zeitschriften, sowie die größten Computerprogramme des
Fachgebietes (z. B. DIALOG, DIMDI, Medline, CAB, VETCD) bzw. e-mail
und Internet zugänglich.
Die reguläre Studienzeit beträgt 5 Jahre (10
Semester), von
denen der vorklinische Abschnitt auch in deutscher Sprache angeboten
wird. Das gesamte Studium beinhaltet etwa 5000 Stunden Vorlesungen
bzw. Praktika. Der Lehrplan beinhaltet auch außerhalb der
Vorlesungszeit praktische Arbeit in Instituten, Kliniken und
landwirtschaftlichen Großbetrieben bzw. in der Praxis eines
Tierarztes - d. h. in Institutionen, die sich vertraglich zur
Beteiligung an der Ausbildung verpflichteten und von den zuständigen
Behörden als Ausbildungsstätte für werdende Tierärzte anerkannt
worden sind. Die Tierproduktionsanlagen der landwirtschaftlichen Großbetriebe,
sowie die Tierkliniken der Universität und der Komitats-Veterinärstationen
bieten für die Studenten eine einzigartige Möglichkeit zum selbständigen
Arbeiten an Tieren.
Das Wintersemester beginnt jeweils in der ersten Septemberhälfte
und dauert bis Mitte Dezember, das Sommersemester beginnt in der
ersten Februarhälfte und endet ca. Mitte Mai. Die Prüfungen werden
in der vorlesungsfreien Periode, d. h. nach dem Wintersemester bis
Anfang Februar bzw. nach dem Sommersemester bis Anfang Juli abgelegt.
Bewertungsformen
- Unterschrift (aláírás) - Der Besuch der
Pflichtveranstaltungen sowie die Leistung der Studenten (Testate)
wird durch die Unterschrift des Kursleiters am Ende eines jeden
Semesters bestätigt.
- Praktikumsnote (gyakorlati jegy) - Benotung erfolgt entweder
nach der Fünfer- oder der Dreier-Skala.
- Kolloquium (kollokvium) - Prüfung des Lehrstoffes eines
Semesters, Benotung mit 1-5.
- Rigorosum (szigorlat) - Abschlußprüfung in einem
mehrsemestrigen Studienfach, Benotung auf Grund der Fünfer-Skala.
Prüfungsnoten
Fünfer-Skala
- 5 (jeles) sehr gut
- 4 (jó) gut
- 3 (közepes) befriedigend
- 2 (elégséges) ausreichend
- 1 (elégtelen) nicht ausreichend
Dreier-Skala
- kiválóan megfelelt - ausgezeichnet
- megfelelt - bestanden
- nem felelt meg - nicht bestanden
Deutschsprachiger Studiengang
An der Veterinärmedizinischen Fakultät in Budapest besteht seit
September 1989 ein Studiengang in deutscher Sprache, der auf die
ersten vier Semester, d. h. auf den vorklinischen Studienabschnitt (Vorphysikum
und Physikum) beschränkt ist. Im Einklang mit der jüngsten
deutschen Tierärztlichen Approbationsordnung (TAppO) werden nach Abschluß
der einzelnen Fächer den Studenten Bestätigungen über das jeweils
abgeleistete Praktikum und Prüfung ausgestellt, die den in
Deutschland üblichen Bestätigungen entsprechen. Das klinische
Studium, das gemäß der gegenwärtigen Studienordnung weitere drei
Jahre dauert, kann durch Absolventen der vorklinischen Studien in
englischer oder ungarischer Sprache in Budapest fortgesetzt werden.
(Die Fortsetzung des Studiums an einer Hochschule in Deutschland ist
jederzeit möglich, wenn der Student dort einen Studienplatz erhält.)
Nach bestandener tiermedizinischer Abschlußprüfung wird das Diplom
und der Titel "dr. vet. med." verliehen. Damit sind alle
fachlichen Voraussetzungen erfüllt, um die Approbation zum Tierarzt
zu erlangen.
Außerhalb Ungarns ist die Anerkennung des in Budapest erworbenen
Tierarztdiploms von den Bestimmungen des jeweiligen Landes abhängig.
In Deutschland wird die ungarische tierärztliche Ausbildung unter
der Bedingung als gleichwertig anerkannt, daß Absolventen der
Veterinärmedizinischen Fakultät in Budapest zur Approbation in
Deutschland in den sog. rechtsrelevanten Fächern (Arzneimittel-,
Berufs-, Fleischhygiene-, Futtermittel-, Lebensmittel-, Milchhygiene-,
Tierschutz-, Tierseuchen-, Tierzucht- und Strahlenschutzrecht) Ergänzungsprüfungen
ablegen.
Für den deutschsprachigen Studiengang stehen pro Studienjahr
rund 120 Studienplätze zur Verfügung. Im ungarischen Studiengang
studieren durchschnittlich 100 Studenten pro Studienjahr. 1992 wurde
der englischsprachige Studiengang eingeführt (derzeit studieren ca.
80 Studenten pro Studienjahr).